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Hieroglyphen
mdw-nTr = medu-netjer
>> heilige Worte/ Gottesworte

Das Wort Hieroglyphen stammt aus dem griechischen und bedeutet: hieros = "heilig" und glyphein = "schnitzen/ gravieren". Hieroglyphen sind in Ägypten seit der Thinitenzeit belegt und waren über 3000 Jahre lang in Gebrauch. Die jüngste Inschrift befindet sich auf dem Hadrianstor im Tempel der Insel Philae und ist auf den 24. August 394 n. Ch. datiert.

Die Zeichen der Hieroglyphenschrift stellen Objekte aus der Natur und dem täglichen Gebrauch dar: Menschen und ihre Tätigkeiten, Tiere und Teile von Tieren, Pflanzen und Teile von Pflanzen, Gebäude, Gebäudeteile, Waffen, Werkzeuge und verschiedene anderen Objekte. Die Hieroglyphen konnten in Kolonnen von oben nach unten geschrieben werden oder horizontal von rechts nach links oder von links nach rechts. In welcher Richtung nun ein Satzanfang lag, erkannte man an der Blickrichtung der Zeichen der Tiere oder Menschen. Blickten diese Zeichen z. Bsp. nach links, so war die Inschrift von links nach rechts zu lesen. Eine weitere Schwierigkeit war, das die Ägypter keine Interpunktion verwendeten. Das heisst, sie schrieben ihre Zeichen fortlaufend, ohne Anzeichen dafür, wo ein Wort endete oder wo ein neues begann.

Bis heute sind ca. 6000 Hieroglyphenzeichen identifiziert worden, von denen die meisten jedoch erst während der Ptolemäer- und Römerzeit eingeführt wurden. In der "klassischen" Pharaonenzeit waren ca. 1000 Zeichen in Gebrauch, von denen wiederum ein Teil in ständigem, der andere in weniger ständigem Gebrauch war. Man unterscheidet heute in Phonogramme wie Ein-, Zwei- und Dreikonsonantenzeichen, in Ideogramme, Determinative und phonetische Komplemente. Die Ägypter schrieben ihre Wörter ausschließlich in Konsonanten, so das heute eine korrekte Aussprache der Wörter nicht mehr nachvollziehbar ist. Zur besseren Lesbarkeit, fügt man heute zwischen die einzelnen Konsonanten ein e ein (siehe Überschrift).

Zu den Einskonsonanten zählen alle Konsonanten, wie wir sie auch aus unserem heutigen Alphabet kennen, ausser dem L und dem Z. Hierzu gehören ausserdem die Laute dj, tsch, sch und ch (wie in Bach) und ch (wie in ich), desweiteren auch die schwachen Konsonanten bzw. Halbvokale, die dem hebräischen Aleph, Yod und Ain entsprechen. Es gab ca. 100 Zweikonsonantenzeichen, wie z. Bsp: mn (men) oder Hr (Hor) und schließlich ca. 40-50 Dreikonsonantenzeichen, wie nTr (netjer/ netscher) oder Xpr (Cheper). Da viele der geschriebenen Worte den gleichen Wortstamm besitzen, benötigte man ausserdem Zeichen, um zu erkennen, was das Wort eigentlich bedeutet. Die Zeichen nenntn man Determinative. Als Beispiel sei hier der Wortstamm nmj (nemi) angeführt. Dieser ist zum einen Bestandteil des altägyptischen Wortes für Bahre aber auch für brüllen. Nun hängte man an das Wort brüllen das Zeichen eines Mannes an, der eine Hand zum Mund führt. An das Wort Bahre hängte man das Zeichen, welches eine Bahre darstellt.


nmj >> brüllen

nmj >> Bahre

An diesem Beispiel lässt sich auch der Begriff Phonetisches Komplement erklären. Wir sehen hier ganz oben die Wellenlinie >> Einkons. n, dann ein Schlachtermesser >> Zweikons. nm, eine Eule >> Einkons. m und ein Schilfblatt >> Einkons. j. In diesem Falle sind die Eule und die Wellenlinie Phonetische Komplemente. Sie werden hier nicht doppelt mitgelesen, also nnmmj, da ja schon das Messer den Lautwert nm hat, sondern beide Zeichen dienen lediglich der besseren Lesbarkeit des Wortes.
Ideogramme sind nun solche Zeichen, die tatsächlich das bedeuten und auch so gelesen werden, wie das, was sie darstellen. Als bestes Beispiel ist hier wohl das Zeichen N5 >> zu nennen, welches man für das Wort Sonne schrieb. Ausserdem können Ideogramme auch Handlungen ausdrücken: So bedeutet eine knieende Frau, unter der der Kopf eines Kindes herausschaut "gebären" und ein an der Mauer stehender Mann bedeutet "bauen" .

Die Entwicklung der Schrift vollzog sich in drei großen Phasen - einer frühen, einer mittleren und einer späten. Es war stets so, das das Geschriebene der gesprochenen Sprache in Wortschatz und Syntax hinterherhinkte. Im Mittleren Reich kommt es schließlich zu einem deutlichen Bruch, als das Alte- und Mittelägyptische von der Form des Neuägyptischen abgelöst wurde.

erstellt von:
Datum
Merit-Isis
12.01.2005
Quelle:
"Lexikon des Alten Ägypten" von Guy Rachet
"Reclams Lexikon des Alten Ägypten"
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