Hallo Forum,
mein diesjährigen Kurzurlaub verbrachte ich in München inklusive eines Besuches im Deutschen Museum. In der Brückenabteilung stieß ich dabei auf eine interessante Hebekonstruktion der Römer aus der Antike. (Bild 1 - Gesamtdarstellung)
Besonders fiel mir dabei der Untergrund auf. (Bild
2 + 3)
Auch wenn das letzte Bild leicht verschwommen ist, so sieht man Kiessteine, in die Rundbalken integriert sind. (im Museum im verkleinerten Maßstab)
Sofort musste ich an den Pyramidenbau denken, bei denen ja nach Meinung einiger Autoren (z.B: Dörnenburg) vermutlich Schotterrampen benutzt wurden.
Könnte es sein, dass derartige Kräne beim Pyramidenbau eingesetzt wurden? Je länger ich darüber nachdachte, desto unwahrscheinlicher kam es mir vor.
- Die Ägypter hätten erstens schon Vorstellungen über den Flaschenzug kennen müssen (was derzeit ziemlich umstritten ist)
- Große Felsblöcke wie die 50 Tonnen Steine hätten damit sicherlich nicht bewerkstelligt werden können
- Die Kräne wären zudem nicht nach rechts oder links schwenkbar.
Das Argument für einen solchen Kran ist jedoch der Geschichtsschreiber Herodot, welcher berichtet:
Zunächst ist sie [die Pyramide] stufenförmig, treppenförmig, oder wie man es nennen will, gebaut worden. Die zur Ausfüllung des Treppendreiecks bestimmten Steine wurden mittels eines kurzen Holzgerüstes hinaufgewunden. So hoben sie sie von der Erde auf den ersten Treppenabsatz; dort legten sie sie auf ein anderes Gerüst, durch das sie auf den zweiten Treppenabsatz hinaufgewunden wurden. Soviel Stufen, soviel solcher Hebevorrichtungen waren vorhanden, falls diese Hebevorrichtungen nicht so leicht tragbar waren, dass man ein und dieselbe von Stufe zu Stufe hob, nachdem man den betreffenden Stein abgenommen hatte. Mir ist nämlich beides erzählt worden, weshalb ich beides anführe. So wurde zuerst die Spitze fertiggestellt, dann abwärts bis schließlich zu der untersten Stufe herab.
Quelle: Miroslav Verner „Die Pyramiden“ (Seite 104)
Natürlich war Herodot erst Jahrhunderte nach dem Pyramidenbau in Gizeh war, sofern man davon ausgeht, dass er überhaupt da war.
Und sicherlich scheinen seine Zahlen (z.B. die Zahl der Arbeiter an der Cheopspyramide) übertrieben zu sein, und dennoch sollte man nicht alles als Fiktion abtun, sondern von einer Schätzung ausgehen, die er nicht besser wusste.
Die Sache ließ mir keine Ruhe und so stieß ich zuhause auf diesen Wikipediaeintrag und erfuhr, dass die Römer ihre Konstruktion von den antiken Griechen hatten. Zitat Wikipedia: „Der erste unzweideutige schriftliche Beleg für einen Mehr-Rollen-Zug findet sich in den Mechanischen Problemen (Mech. 18, 853a32–853b13), die Aristoteles (384–322 v. Chr.) zugeschrieben werden, aber womöglich etwas später verfasst wurden.“ Und weiter vorher Zitat: „Charakteristische Einkerbungen für den Gebrauch von Hebezangen und Lewis-Eisen sind ab ca. 515 v. Chr. an Steinblöcken griechischer Tempel nachgewiesen.“
Vielleicht hat Herodot (480 v. Chr. - 424 v. Chr.) wirklich z.B. in Alexandria schon ähnliche Hebevorrichtungen gesehen, von denen er anschließend berichtete.
Und auch ohne Flaschenzug (Rollenzug) wäre eine Konstruktion vorstellbar, mit Hilfe einer Anhöhe (z.B. Mauer) die allerdings oben eine Rundung (Rundbalken oder ähnliches) hätte haben müssen, damit das Seil sich nicht abschleift. Ich hab mal versucht in einem 3D Programm so etwas darzustellen. (Grafik 4)
Ob diese Hebevorrichtungen aber wirklich beim Pyramidenbau eingesetzt wurden, ist natürlich mehr als Fraglich, zumindest gibt es da keinerlei Funde oder Abbildungen zu.
Und selbst wenn die Ägypter so eine Hebevorrichtung gehabt hätten, hätten sie es vermutlich eher an festen Orten eingesetzt, an denen man nicht nach rechts oder links schwenken mussten. (z.B. um die Schlitten im Steinbruch zu beladen oder Schiffe oder ähnliches)
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man damit Granitblöcke von 50 Tonnen hoch bekommt. Eine (wie auch immer aussehende) Rampe hätte es in jedem Fall auch bedurft, das steht für mich außer Frage.
Aber könnte es sein, dass so oder ähnlich die Hebevorrichtungen aussahen, die Heredot beschreibt?
Gruß Mike