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Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?
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Gast2
Gast


Beitrag: #1
Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?

Hi,

ich habe gerade in einem altägyptischen Wörterbuch gestöbert und habe folgendes Suchergebnis erhalten:

Angaben zum Lemma Jr.tj=fj-m-x.t (Lemma-Nummer 851780)
Übersetzung Dessen beide Augen Feuer sind
Kurzreferenz LGG I, 437 f.
Wortkategorie Göttername

Nun habe ich leider keine Ahnung wie man das richtig ausspricht..
Weiß das irgendwer?

Gruß

22.05.2008 15:02
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Aset-hotep
Sonnenanbeterin
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Beitrag: #2
RE: Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?

Hallo Gast!


Hier weiß das niemand, dazu sind wir alle zu jung ;-)

Die Aussprache ist über die Jahrhunderte verloren gegangen, einige Sprach-Cracks in der Ägyptologie spekulieren da gerne mal - vor allem erschließt sich das jedoch über Änderungen der Schreibung/endungen, woraus man rückschließen kann, das bestimmte Laute beim Sprechen verschluckt wurden...

Einen kompletten Satz oder Satz-Teil korrekt auszusprechen ist nicht möglich.

Gruß
Aset-Hotep



n hsq tp=j
Es werde nicht mein Kopf abgeschnitten.
(Sargtexte Spruch 229)

Die Feder ist mächtiger als das Schwert.
(Edward Bulwer-Lytton)
22.05.2008 23:18
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thomas schipper
thosch40
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Beitrag: #3
RE: Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?

Hallo Gast,
im Gros hat Aset-Hotep schon Recht. Die Aussprache ist in der Geschichte verloren gegangen. Es gibt aber durchaus brauchbare Ansätze, diese wenigstens in Teilbereichen soweit anzunähern, dass man "nahedran" ist.
Ein Beispiel:

Jwn.w = Heliopolis (Name einer Stadt) (Lemma-Nummer 22850). Nach heutiger Sprachregel soll das "J" wie ein "i" und das "w" wie ein "u" ausgesprochen werden, ergo "Iunu"

Durch Korrespondenz mit den Nachbarstaaten sind Arkadische Schrifttafeln erhalten geblieben, die ebenfalls den gleichen Städtename gebrauchen. Da diese Schrift eine Silbenschrift ist (also mit a, e, i und u), weiß man die Aussprache. In diesem Fall:
ù-nu (Die Zeichen dazu kann ich leider nicht liefern). Man erkennt da durchaus eine Parallele.

Vielleicht werden Deine Hieroglyphen Irtif-imecht ausgesprochen, jedenfalls in Annäherung an die heutige Sprachregel und mit einem guten Schuss Phantasie …

Gruss
Thomas

23.05.2008 07:57
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thomas schipper
thosch40
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Beitrag: #4
RE: Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?

Hallo nochmals,
das Thema hat mich schon immer interessiert, deshalb habe ich nochmals engere Nachforschungen angestellt. Hier meine Erkenntnisse:

Die einfachsten Zeichen des hieroglyphischen Schriftsystems bilden bekannlich 25 Zeichen, die jeweils einen Konsonanten wiedergeben. Sie bilden damit eine Art „konsonantisches Alphabet“, dass in der Griechisch-Römischen Zeit besonders für fremde Namen benutzt wurde. Da die Hieroglyphen eine vokallose Schrift bilden, werden heute 5 Konsonanten als Vokale ausgesprochen, die in der Antike aber einen anderen Lautwert hatten. (Dazu später mehr)

A (Gardiner-Liste G1) Aleph, ein Glottal-Stop oder ein r-haltiger Laut. Das richtig auszusprechen verstehen wahrscheinlich nur die Araber. Für uns Europäer ergibt sich eher eine Art Pause, ähnlich einem "Auslassungszeichen" im Schriftbild.

ii-i oder y(Gardiner-Liste M17) ein schwaches i, da der sprachliche Ursprung aus einem Mischlaut Aleph/Hamza entstanden ist. Ich denke, der Laut wird mehr Kehlhaft sein und aus unseren modernen Buchstaben "h" und "i" gebildet werden (hi)

a (Gardiner-Liste D36) Ayin (Kehllaut) Im Ursprung diente dieses Graphem für die Umschreibung des Stimmhaften "d", das im Mittleren Reich zu einem stimmhaften Pharyngal wurde. In der Phonetik beschreibt pharyngal den Artikulationsort eines Lautes. Bei einem Pharyngal wird im Rachen, dem Pharynx eine Enge gebildet. Schwer zu beschreibende Aussprache. Heraus kommt ein "a" ähnliches Gebilde, deshalb ist man dazu über gegangen, es mit einem modernen "a" auszusprechen.

w oder W (Gardiner-Liste G43 bzw Z7) Aussprache weiches "w" oder u

b (Gardiner-Liste D58) das klassische "b"

p (Gardiner-Liste Q3) Diese "p" ist stimmlos. Also nicht "pe", sondern ohne stimmliches Hinzufügen eines "e" aussprechen. Klingt als ob man die Lippen einfach nur "ploppen" lässt.

f (Gardiner-Liste I9) klassisches "f"

m (Gardiner-Liste G17) Nasaler Laut bei geschlossenen Lippen, dessen Luftausfuhr überwiegend über die Nase entweicht. Dabei entsteht ein "Brummton" – eben ein "m" (Nicht "em" aussprechen)

n (Gardiner-Liste N35 oder S3) Ebenfalls ein nasaler Laut, der bei leicht geöffneten Lippen (Mund grinst fast) über die Zunge am Gaumen erzeugt wird – eben ein "n" (Nicht "en" aussprechen)

r (Gardiner-Liste D21) Früher wurde diesem Zeichen der Lautwert des hebräischen Aleph zugeordnet; heute wird es aber aufgrund verschiedener Forschungen eher als ein r-haltiger Laut angesehen, der wohl im späteren Mittelägyptisch verschwand oder zumindest zu einem schwachen Vokal abgeschwächt wurde. Wenn man so will, könnte es ein "Dehnungs-r" sein, ähnlich dem "e" beim Ort "Soest" (Ausgesprochen: Sost (langgezogenes "o")). Ein Beispiel: Nach neuster Auffassung hieß Nofretete eigentlich Nafteta. (Keilschrift-Briefe, die auch Vokale enthalten, enthielten den Namen). Betrachtet man sich die Schreibweise Nfr.t-jy.tj und nimmt das "r" nicht als Buchstabe, sondern als "Dehnungszeichen", könnte der Name tatsächlich Nafteta ausgesprochen werden, wobei das "f" länger gezogen würde.

h (Gardiner-Liste O4) klassisches "h"

H (Gardiner-Liste V28) Stimmloses "h", dass nur gehaucht daherkommt. Als ob man jemanden anhaucht, um zu zeigen, ob man Mundgeruch hat, oder nicht.

x (Gardiner-Liste Aa1) Reibelaut, der wie unser "ch" klingt, wenn man "Buch" spricht. Ton wird tief im Rachen gebildet.

X (Gardiner-Liste F32) Reibelaut, der wie unser "ch" klingt, aber etwas heller, weicher formuliert wird. Zum Beispiel "Milch"

z (Gardiner-Liste O34) klassisches "s"

s (Gardiner-Liste S29) klassisches "s"
Dazu ist anzumerken, dass s und z seit dem Mittleren Reich in der Aussprache zusammenfielen und daher auch in der Schrift nicht mehr konsequent unterschieden wurden.

S (Gardiner-Liste N39) wie "sch"

q (Gardiner-Liste N29) wurde wahrscheinlich aus "k" und "a" gebildet. Lautlich lag dazwischen ein leichtes, eher gedachtes "u" – also: "kua"

k (Gardiner-Liste V31) klassisches "k"

g (Gardiner-Liste W11) War, soweit es zurückzuverfolgen war, ein in irgendeiner Weise modifiziertes, stimmhaftes "k"

V33 (Gardiner-Liste V32) Wird als der eigentliche "g"-Laut angesehen. V33 Stimmhaft, V32 emphatischer ausgesprochen.

t (Gardiner-Liste X1) Stimmloses "t" - also nicht "te" ausprechen.

T (Gardiner-Liste V13) Gesprochen wie "tsch". Wird gerne auch "tj" gesprochen.

d (Gardiner-Liste D46) Stimmloses "d" - also nicht "de" aussprechen

D (Gardiner-Liste I10) Gesprochen wie "dsch" ähnlich dem englischen "Jeans (Dschiens)" oder Dschungel

Zitat:
(Meine Quellen: # ↑ Wolfgang Schenkel: Glottalisierte Verschlußlaute, glottaler Verschlußlaut und ein pharyngaler Reibelaut im Koptischen, Rückschlüsse aus den ägyptisch-koptischen Lehnwörtern und Ortsnamen im Ägyptisch-Arabischen. In: Lingua Aegyptia 10, 2002. S. 1-57 ISSN 0942-5659. S. 31 ff.
# ↑ Christopher Ehret: Reconstructing Proto-Afroasiatic (Proto-Afrasian): Vowels, Tone, Consonants, and Vocabulary. University of California Publications in Linguistics 126, California, Berkeley 1996. ISBN 0520097998
# ↑ Gardiner: Egyptian Grammar.
# ↑ W. Schenkel: Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift.
# ↑ E. Edel: Altägyptische Grammatik, §§ 424-445)
# ↑ und diverse Websites, die ich nicht mehr alle zusammen bekommen. Deshalb: Lieber Unbekannter! Ich danke für Deine Infos. Fühle dich hier benannt!


Gruss
Thomas

06.06.2008 13:50
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Aset-hotep
Sonnenanbeterin
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Registriert seit: Jul 2007
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Beitrag: #5
RE: Wie spricht man Jr.tj=fj-m-x.t aus?

Im Klassischen Mittelägyptischen, im Neuägyptischen verschleift sich von einige Buchstaben/Laute die Aussprache, weswegen die Wörter dann einen anderen Buchstaben dazu bekommen. Auf Wunsch liefere ich gerne ein Beispiel (habe es jetzt leider nicht zur Hand, liegt zu Hause).



n hsq tp=j
Es werde nicht mein Kopf abgeschnitten.
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(Edward Bulwer-Lytton)
08.06.2008 15:28
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