Hallo nochmals,
das Thema hat mich schon immer interessiert, deshalb habe ich nochmals engere Nachforschungen angestellt. Hier meine Erkenntnisse:
Die einfachsten Zeichen des hieroglyphischen Schriftsystems bilden bekannlich 25 Zeichen, die jeweils einen Konsonanten wiedergeben. Sie bilden damit eine Art „konsonantisches Alphabet“, dass in der Griechisch-Römischen Zeit besonders für fremde Namen benutzt wurde. Da die Hieroglyphen eine vokallose Schrift bilden, werden heute 5 Konsonanten als Vokale ausgesprochen, die in der Antike aber einen anderen Lautwert hatten. (Dazu später mehr)
A (Gardiner-Liste G1) Aleph, ein Glottal-Stop oder ein r-haltiger Laut. Das richtig auszusprechen verstehen wahrscheinlich nur die Araber. Für uns Europäer ergibt sich eher eine Art Pause, ähnlich einem "Auslassungszeichen" im Schriftbild.
ii-i oder y(Gardiner-Liste M17) ein schwaches i, da der sprachliche Ursprung aus einem Mischlaut Aleph/Hamza entstanden ist. Ich denke, der Laut wird mehr Kehlhaft sein und aus unseren modernen Buchstaben "h" und "i" gebildet werden (hi)
a (Gardiner-Liste D36) Ayin (Kehllaut) Im Ursprung diente dieses Graphem für die Umschreibung des Stimmhaften "d", das im Mittleren Reich zu einem stimmhaften Pharyngal wurde. In der Phonetik beschreibt pharyngal den Artikulationsort eines Lautes. Bei einem Pharyngal wird im Rachen, dem Pharynx eine Enge gebildet. Schwer zu beschreibende Aussprache. Heraus kommt ein "a" ähnliches Gebilde, deshalb ist man dazu über gegangen, es mit einem modernen "a" auszusprechen.
w oder W (Gardiner-Liste G43 bzw Z7) Aussprache weiches "w" oder u
b (Gardiner-Liste D58) das klassische "b"
p (Gardiner-Liste Q3) Diese "p" ist stimmlos. Also nicht "pe", sondern ohne stimmliches Hinzufügen eines "e" aussprechen. Klingt als ob man die Lippen einfach nur "ploppen" lässt.
f (Gardiner-Liste I9) klassisches "f"
m (Gardiner-Liste G17) Nasaler Laut bei geschlossenen Lippen, dessen Luftausfuhr überwiegend über die Nase entweicht. Dabei entsteht ein "Brummton" – eben ein "m" (Nicht "em" aussprechen)
n (Gardiner-Liste N35 oder S3) Ebenfalls ein nasaler Laut, der bei leicht geöffneten Lippen (Mund grinst fast) über die Zunge am Gaumen erzeugt wird – eben ein "n" (Nicht "en" aussprechen)
r (Gardiner-Liste D21) Früher wurde diesem Zeichen der Lautwert des hebräischen Aleph zugeordnet; heute wird es aber aufgrund verschiedener Forschungen eher als ein r-haltiger Laut angesehen, der wohl im späteren Mittelägyptisch verschwand oder zumindest zu einem schwachen Vokal abgeschwächt wurde. Wenn man so will, könnte es ein "Dehnungs-r" sein, ähnlich dem "e" beim Ort "Soest" (Ausgesprochen: Sost (langgezogenes "o")). Ein Beispiel: Nach neuster Auffassung hieß Nofretete eigentlich Nafteta. (Keilschrift-Briefe, die auch Vokale enthalten, enthielten den Namen). Betrachtet man sich die Schreibweise Nfr.t-jy.tj und nimmt das "r" nicht als Buchstabe, sondern als "Dehnungszeichen", könnte der Name tatsächlich Nafteta ausgesprochen werden, wobei das "f" länger gezogen würde.
h (Gardiner-Liste O4) klassisches "h"
H (Gardiner-Liste V28) Stimmloses "h", dass nur gehaucht daherkommt. Als ob man jemanden anhaucht, um zu zeigen, ob man Mundgeruch hat, oder nicht.
x (Gardiner-Liste Aa1) Reibelaut, der wie unser "ch" klingt, wenn man "Buch" spricht. Ton wird tief im Rachen gebildet.
X (Gardiner-Liste F32) Reibelaut, der wie unser "ch" klingt, aber etwas heller, weicher formuliert wird. Zum Beispiel "Milch"
z (Gardiner-Liste O34) klassisches "s"
s (Gardiner-Liste S29) klassisches "s"
Dazu ist anzumerken, dass s und z seit dem Mittleren Reich in der Aussprache zusammenfielen und daher auch in der Schrift nicht mehr konsequent unterschieden wurden.
S (Gardiner-Liste N39) wie "sch"
q (Gardiner-Liste N29) wurde wahrscheinlich aus "k" und "a" gebildet. Lautlich lag dazwischen ein leichtes, eher gedachtes "u" – also: "kua"
k (Gardiner-Liste V31) klassisches "k"
g (Gardiner-Liste W11) War, soweit es zurückzuverfolgen war, ein in irgendeiner Weise modifiziertes, stimmhaftes "k"
V33 (Gardiner-Liste V32) Wird als der eigentliche "g"-Laut angesehen. V33 Stimmhaft, V32 emphatischer ausgesprochen.
t (Gardiner-Liste X1) Stimmloses "t" - also nicht "te" ausprechen.
T (Gardiner-Liste V13) Gesprochen wie "tsch". Wird gerne auch "tj" gesprochen.
d (Gardiner-Liste D46) Stimmloses "d" - also nicht "de" aussprechen
D (Gardiner-Liste I10) Gesprochen wie "dsch" ähnlich dem englischen "Jeans (Dschiens)" oder Dschungel
(Meine Quellen: # ↑ Wolfgang Schenkel: Glottalisierte Verschlußlaute, glottaler Verschlußlaut und ein pharyngaler Reibelaut im Koptischen, Rückschlüsse aus den ägyptisch-koptischen Lehnwörtern und Ortsnamen im Ägyptisch-Arabischen. In: Lingua Aegyptia 10, 2002. S. 1-57 ISSN 0942-5659. S. 31 ff.
# ↑ Christopher Ehret: Reconstructing Proto-Afroasiatic (Proto-Afrasian): Vowels, Tone, Consonants, and Vocabulary. University of California Publications in Linguistics 126, California, Berkeley 1996. ISBN 0520097998
# ↑ Gardiner: Egyptian Grammar.
# ↑ W. Schenkel: Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift.
# ↑ E. Edel: Altägyptische Grammatik, §§ 424-445)
# ↑ und diverse Websites, die ich nicht mehr alle zusammen bekommen. Deshalb: Lieber Unbekannter! Ich danke für Deine Infos. Fühle dich hier benannt!
Gruss
Thomas